| Für
viele ist der Samtne Ärmel bei Waltershausen kein Begriff.
In einer Schneise am Fuße des Striemelsberges läuft
eine Quelle, die mit der Sage unserer Stadt in Verbindung
steht. Vor undenklichen Zeiten hatten die Ratsherren zu Waltershausen
beschlossen, dass der Bürgermeister einen Anzug aus Samt
tragen solle, damit der Reichtum der Stadt auch nach außen
dokumentiert werde. Die Schatztruhe wurde herbeigeholt, in
der das viele Geld liegen sollte, um einen samtnen Anzug anfertigen
lassen zu können. Erschreckt stellten die Ratsherren
fest: das Geld reichte nicht für einen ganzen Anzug.
Der Inhalt der Truhe langte gerade aus, einen guten Einfall
muss man haben, für einen Ärmel. Also wurde ein
Ärmel aus Samt angefertigt, den der Bürgermeister
übeziehen und so zum Fenster hinaushalten sollte, dass,
ihn alle vorübergehenden Bürger, sehen konnten.
Alle sollten glauben, die Stadt sei so reich, dass sie ihren
Bürgermeister in Samt und Seide kleiden konnte. Diese
Hochnäsigkeit sollte bald bestraft werden. Eines Tages,
so die Sage, ließ der liebe Gott, eben an jener Stelle
des Striemelsberges, die heute noch am Samtnen Ärmel
heißt, eine Quelle entspringen als Strafe für die
Eitelkeit. Gewaltige Wassermassen |
|
flossen auf die Stadt zu, überfluteten die
Waldteiche und strömten zwischen Ziegenberg und Burgberg
zum Waldtor und in die Stadt. Die Flut wurde höher
und höher, guter Rat teuer. Was sollten die Ratsherren
nun tun? Endlich kam einer auf die rettende Idee. Ein Bote
wurde eilends gen Reinhardsburnn (Reinhardsburnn) zum Kloster
geschickt, von dort erhoffte man sich Hilfe für die
Stadt. Ein frommer Mönch hatte des Übels Ursache
bald gefunden. "Bürgermeister, dein samtner Ärmel
ist es, mit welchen du den lieben Gott erzürntest."
Schweren Herzens wurde dem Mönch der samtne Ärmel
übergeben. Fromme Gebete murmelnd verstopfte der Mönch
mit dem Ärmel die Quelle. Und so heißt dieses
Waldstück heute noch "Am Samtnen Ärmel".
Nachdem sich damals das Wasser verlaufen hatte, fanden die
Bürger Fische aus den Waldteichen in den Bäumen,
an Ästen und Zweigen. Daraus, erzählt weiter die
Sage, entstand das Stadtwappen von Waltershausen, drei Tannen
und ein Fisch. Um das Ansehen der "ehrwürdigen
alten Ratsherren und ihres Bürgermeisters" nicht
zu schmälern. Da wird behauptet, der herbeigerufene
Reinhardsbrunner Mönch habe einen Ärmel seiner
Mönchkutte ausgerissen und die Quelle verstopft. Die
Reinhardsbrunner Bettelmönche trugen aber nur |