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einem Besuch des Herzogs gab sie sich ihm als seine Tante,
die Königin, zu erkennen. Ein Porträt von ihr, sowie
eine Narbe auf ihrer Stirn reichten aus, um den Herzog für
sich zu gewinnen. Die echte Königin hatte in ihrer Jugendzeit
durch einen unglücklichen Wurf mit einer Schere diese
Verletzung an der Stirn erhalten. Kurze Zeit darauf wurde
der Herzog durch einen Brief von ihr gewarnt und sie wurde
als Schwindlerin bezeichnet; Aber alle Warnungen wurden missachtet,
im Gegenteil, sie bekam fürstlichen Unterhalt und Bedienung.
Als Dank bekam der Herzog 2 Schenkungsbriefe mit dem Jülich-Cleveschen
Wappen, in denen sie dem Herzog ihre Schätze und Kleinodien
versprach. Nun wurde eine Abordnung nach Nürnberg entsandt
mit dem Ziel, alle Kleinodien abzuholen. Die Boten kamen resultatlos
zurück, in Nürnberg wisse man nichts von Gold und
anderen Kleinodien. Jetzt wurde der Herzog doch stutzig und
betrachtete die ganze Sache als Schimpf. Sein Bruder warnte
ihn vor der Dame, der angeblichen Königin, ihr nicht
zu trauen. Auf der Feste Grimmenstein erschien ein Vertreter
des Bruders der Königin Anna von England, ein Abgesandter
des Herzogs von Cleve und forderte die Verhaftung der Pseudokönigin,
die dann im Juli 1588 erfolgte. In zwei Verhören vor
dem königlichen Rat blieb sie bei ihren bisherigen Aussagen,
worauf sie nach Schloss Tenneberg gebracht wurde. Sie wurde
unter strenger Bewachung auf Tenneberg gefangen gehalten.
Bei weiteren Verhören gab sie zu, nicht die Exkönigin
zu sein, sie wäre eine geborene Gräfin aus Ostfriesland
und mit einem Grafen Manderscheid getraut worden. Dieser habe
sie an den englischen Hof gebracht, er selbst sei auf einer
Reise ermordet worden. Die Königin Anna habe angeblich
ihrem Neffen, dem Herzog zu Sachsen, viel Geld zugedacht und
sie haben es überbringen sollen. Ein Edelmann aus Irland,
Wilhelm von Zieritz, habe sie jedoch überredet, sich
als Königin auszugeben. Sie wäre als Mann verkleidet
mit diesem durch Ostfriesland gezogen, wäre aber von
ihrem Bruder erkannt und auf ein Schloss gebracht worden,
von dem sie mit Hilfe von Freunden entwichen sei. Auf dem
Weg nach Bremen wäre sie dem Grafen von Oldenburg, einem
Verwandten, begegnet. Er habe seine Büchse auf sie angelegt,
die jedoch nicht geladen war, er wollte sich mit ihr in Bremen
treffen. Sie sei aber nach Verden und dann weiter nach Danzig
geeilt. Sie verstrickte sich in, eine Vielzahl von Schwindeleien,
alle Aussagen wurde nach Cleve geschickt und von dort als
Lügen erklärt. Verhör reiht sich an Verhör.
Jedes Mal gab sie andere Personen an, unter anderem wäre
sie eine Tochter von der Gräfin von Friesland, ihr Vater
sei der Graf Johann von Rietberg gewesen. Erstaunlich ist
die Personenkenntnis dieser Dame gewesen, was und wen sie
auch alles kannte. In einem weiteren Verhör kam sie anscheinend
etwas der Wahrheit näher, sie gab an, eine natürliche
Tochter des Herzogs von Cleve zu sein. Dieser hatte zwei uneheliche
Töchter, ihre Mutter wäre Margareta von Schenk,
ihr Oheim, Heinrich von Schenk, habe sie nach England zur
Königin Anna gebracht. Nun gab sie erneut an, Wilhelm
von Zieritz, ihr Begleiter, habe sie verlassen und sich an
eine andere angeschlossen und Geld, das ihr gehörte,
nicht herausgegeben. Nun gab |
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sie an, sie wäre vom Teufel besucht worden, der
verbietet ihr die Wahrheit zu sagen.
Sie
bat um Licht in der Nacht und um Wächter, wenn sie das
nicht bekäme, wollte sie sich umbringen. Das nächste
Verhör wurde bereits in Gegenwart des Scharfrichters
durchgeführt, man drohte so mit der Folter. Trotz allen
Drohungen blieb sie dabei, eine Tochter des alten Herzogs
von Kleve zu sein. Der Herzog habe sie zur Erziehung zu einer
Frau. von Sielbach in Klarenberg gebracht, dort habe er sie
oft besucht und ihr gesagt, dass er sie genauso liebe wie
eine eheliche Tochter. Am Gothaer Hof scheint man indes anderer
Meinung gewesen zu sein. Es könnte doch möglich
sein, dass der alte Herzog noch einen Liebeshandel gehabt
haben könnte, der nicht bekannt war. Sie wurde nochmals
verhört unter Ausschaltung der Folter, sie blieb aber
bei ihrer bisherigen Aussage. Nach längerem hin und her
war man der Verhöre müde, und die Akten wurden geschlossen
über diesen ungeklärten Fall. Die Kosten, die entstanden
waren, beliefen sich auf 500 Gulden. Aus den erhaltenen Akten
geht hervor, dass sie Briefe an den Kurfürsten von Brandenburg,
Herzog Friedrich von Holstein und den Herzog von Liegnitz,
gesandt hat. Alle diese Fürsten hatten an sie, Frau Anne,
geborene Herzogin von Jülich-Cleve, gekrönte Königin
von England, unserer lieben Frau Muhme, geschrieben, alle
waren von ihr getäuscht worden. Es ist durchaus möglich,
dass sie doch eine adlige war. Es mag sein, dass sie auch
im Dienste der englischen Königin gestanden hat. Wo sonst
hätte sie soviel Kenntnis und auch Einzelheiten über
Fürstenhäuser oder Adelsgeschlechter sowie den Besitz
gewisser Dokumente und Wertgegenstände bekommen sollen.
In den Verhören hat sie auch auf zwei Kinder hingewiesen,
die sie gehabt haben will. Es ist durchaus möglich, dass
sie verheiratet war, aber Witwe geworden ist. Es mag sein,
dass sie einen von Zieritz gekannt hat. Es gibt Nachweise,
dass sie mit anderen Personen in Verbindung gestanden hat,
die ihr die gefälschten Briefe und andere Dokumente besorgt
haben. Die Frage bleibt offen, was mit allen diesen Machenschaften
bezweckt werden sollte. Die Fürsten konnten nur eine
gewisse Zeit getäuscht werden, warum hat man nicht schon
früher an anderen Fürstenhäusern reagiert,
warum erst am Hofe von Gotha? Alles Fragen, die zu lösen
man der Phantasie des einzelnen überlassen muss. Die
weiße Frau vom Tenneberg, niemand weiß, wer sie
wirklich war. Es ist auch nicht bekannt geworden, was aus
ihr weiter geworden ist. Hat sie ihre Freiheit' wiedererlangt,
oder wurde sie auf Schloss Tenneberg in irgend einem Verließ gefangen gehalten
bis zu ihrem Tode. Was uns als Kinder damals erzählt
wurde, war noch schlimmer, in irgend einem der Türme
wäre sie lebendig eingemauert worden. Spätere
Nachforschungen nach dem Verbleib der Dame brachten
keinerlei Hinweise. Es wurde weder ein Grab noch
sonst irgend etwas, was eventuell Hinweise hätte
geben können, gefunden. Im Volke war einziges zu
Gehör gekommen, so wurden alle möglichen Dinge
erfunden. Zu später, mitternächtlicher Stunde geht
ihr Geist in den Gemächern des Schlosses in einem
langen, weißen Kleid um, plötzlich erhellt ein
ungewöhnlicher Schimmer, wie brennende Totenkerzen,
die Räume, unter Stöhnen und Seufzen im lichten
Gewand schreitet die weiße |