Wissenswertes über die Stadt Waltershausen
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Die ältesten Zentren der deutschen Spielwaren- und Puppenherstellung sind zweifelsohne Nürnberg und Sonneberg. 1413 wird schon ein erster Dockenmacher (Docke = Spielzeug, später Puppe) aus Nürnberg urkundlich erwähnt. Tonpuppen (zumeist Bodenfunde) aus dem 15. Jh., die sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg sowie im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg befinden, belegen dies zusätzlich. Für Sonneberg gibt es keine so frühen Beurkundungen. Doch auch hier wird die gewerbliche Spielwarenherstellung schon im 15./16. Jh. vermutet. In der 'Beschreibung des Obergerichts Sonneberg de anno 1735" findet sich ein erster Hinweis darauf.
Waltershausen war zu dieser Zeit noch eine Stadt von Bierbrauern, Ackerbürgern und Viehzüchtern sowie verschiedensten Handwerkern, z.b. Leinewebern. Im frühen 19. Jh., als in Waltershausen verschiedene Gewerbe kaum noch existierten und neue Zolltarife, sowie die Folgen der napoleonischen Kontinentalsperre machten einen großen Teil der Bevölkerung - darunter auch viele Woll- und Leineweber erwerbslos.
Der Sohn des Gastwirtes und Metzgermeisters Bernhard Heinrich Kestner, Johann Daniel, suchte nach dem Konkurs des väterlichen Geschäftes neue Erwerbsquellen. Um 1815 begann er mit einem Handel preiswerter Waren, wie Zwirnsknöpfchen, Schreib- und Rechentafeln, Puppenköpfen aus Papiermache u.a. Der Verlag und Handel dieser Waren führte alsbald auch zu einer eigenen Fabrikation. 1818 wird erstmals ein 'Holz Maschinenwerk" aufgeführt (wohl zum Drechseln von Holzpuppen). Wenn auch das Papiermachen in der Waltershäuser Spielwaren- und Puppenherstellung vor allem anfänglich der wohl wichtigste Grundstoff war, spielte auch Holz von Anfang an eine wichtige Rolle.
1820 hatte der investitionsfreudige Kestner schon Maschinen und Formen im Wert von 100 Talern und 1824 eine eigene Papiermühle (350 Taler) und Formen zum Ausdrücken des Papiermaches (200 Taler. Mit der Gewerbestatistik des Jahres 1846 ist auch ein erster Beleg über die Beschäftigtenzahlen gegeben:
477 Männer, 364 Frauen und 423 Kinder.
Johann Daniel wurde als 4. Kind des oben erwähnten H. B. Kestner am 4.9.1787 geboren. Im Alter von 10 Jahren begann J.D. Kestner jun. eine Lehre bei einem Krämer in Erfurt, und Kestner's späteren Bilanzen belegen, dass er nicht nur ein geschickter Unternehmer war, sondern auch ein cleverer Kaufmann. 1815 heiratete Kestner seine erste Frau Sabina Friedericke Buschmann mit der er 5 Kinder hatte, von denen nur eine Tochter erwachsen wurde. Als Kestner mit seiner zweiten Frau in einer "wilden Ehe" lebte, war die Erregung in der Bevölkerung so groß, dass das herzogliche Gericht bemüht wurde und Kestner beteuern musste, dass er verlobt sei und in wenigen Wochen das Aufgebot machen würde. Im Ort sprach man von einer Doppelehe, die beiden Frauen führten nach Kestner Tod, am 11.12.1858, sein Geschäft weiter. Sein Enkel Adolf Kestner übernahm das Unternehmen 1872.
Die Zeit der Neugründungen von Unternehmen
...begann 1851. Die zweite Puppen- und Spielwarenfabrik wurde in diesem Jahre durch Gottlob Schafft gegründet und befand sich in der am Fuße des Tennebergs gelegenen Kemenate. In den siebziger Jahren wurde sie durch Wislizenus übernommen. Weitere Neugründungen von Spielzeug- und Puppenfabriken:
- Heinrich Schuchardt 1853 - Titus Schindel. Später Wiesenthal, Schindel und Kallenberg 1858 - Carl Vey 8 Co. 1862 - W. Schneegaß 1863 - Heinrich Handwerk 1885 - Kämmer &
  Das Unternehmen von Schneegaß bot ein breites, qualitativ hochstehendes Programm an Puppen an. Viele Patente und Neuerungen fallen in diese Zeit. Genannt seien hier nur einige; so die Waltershäuser Kugelgelenkpuppe, um 1880; die erste Grammophonpuppe der Welt, 1890; verschiedene Laufkörper und bewegliche Körper für Schwimmkinder oder auch das 1906 von Otto Gans erfundene Schelmenauge (Flirting eyes). Lediglich die bis dahin seltenen Modelle mit individualistischen, lebensnahen Puppen konnten sich bis dahin nicht durchsetzen. Erst die pädagogischen Reformbemühungen des frühen 20.Jh's. verhalfen den aus der Künstlerpuppenbewegung hervorgegangen Charakterpuppen zu einem Durchbruch. Waltershausen war längst zu einem bedeutenden Zentrum der Puppenindustrie geworden aus dem die anspruchvollsten Puppen der Welt kamen: "Nicht nur die kleinen und auch - die großen Kinder des alten Kulturlandes Europa begeistern sich für diese reizvollen, lieblichen Erzeugnisse des Thüringer Waldes ... Der Inder und Indianer, Kameruner und Australneger, wohin wir uns auch wenden: Die Thüringer Puppe ist überall heimisch geworden und hat, spottend aller Schlagbäume, Grenzsteine politischer Händel, sich die Welt erobert." heißt es in "Der Bazar" vom 5.11.1894 in einem Artikel von August Trinius. Weiter schreibt er hier: "Hinsichtlich der Quantität marschiert Sonneberg voran, an Eleganz, Güte und Technik ist ihm indes Waltershausen jetzt wohl über, vor allem in der Erfindung immer höherer Vervollkommnung."
Im folgenden 2 Jahrzehnten wurde Waltershausen zu der Puppenstadt. Bei all diesem gebührenden Respekt darf nicht vergessen werden, dass nicht nur die Puppen, sondern auch das Spielzeug und die Waltershäuser Kleinplastiken und Figuren eine große Rolle spielten.
Kämmer k Reinhardt und die Zeit der Charakterpuppen
Die wohl bekannteste, seit 1902 die größte Puppenfabrik in Waltershausen war die von Kämmer & Reinhardt. 1885/86 gegründet, zählte sie zunächst zu den vielen Neugründungen von Fabriken seit 1851. Schärfster Konkurrent war Heinrich Handwerk, der ebenfalls 1885 mit der Herstellung von Spielzeug und Puppen begann. Schon 1888 meldete Handwerk eine Reihe von Geschmacksmustern und Patenten an.
Nach dem Tode des Mitbegründers, Ernst Kämmer, von K & R im Jahr 1901 und dem Tod von Heinrich Handwerk, 1902, fusionierten beide Unternehmen. Zwei gewichtige Gründe waren für das Zusammengehen mit dem Unternehmen von Heinrich Handwerk entscheidend. Einerseits hatte Handwerk das patentamtlich geschützte Verfahren entwickelt, Puppenteile mechanisch (durch dampfbetriebene Drechselmaschinen) herzustellen, andererseits bestanden gute Verbindungen zur Porzellanfabrik Simon & Halbig, die jetzt auch Kämmer & Reinhardt zugute kamen. Die von Ernst Kämmer modellierten Köpfe wurden nun fast ausschlie8lich von Simon & Halbig hergestellt.
Nach einigen Ausstellungen von Künstlerpuppen im Jahre 1908 in den großen Kaufhäusern von Berlin und München fanden diese Arbeiten in der Gesellschaft große Beachtung. Bei Kämmer & Reinhardt erkannte man bald die Bedeutung dieser dem alten Puppentyp entgegenstehenden Puppen und kreierte im Jahr 1909 die ersten Charakterpuppen, deren Köpfe besonders individualisierende Gesichtszüge trugen. Wer mehr erfahren möchte, kann dies in Waltershausen im Museum, auf Schloss Tenneberg oder zu einer Stadtführung (Tel. : 03622 / 69170). Die Einlasszeiten im Museum sind 9 bis 16 Uhr von Mittwoch bis Sonntag (außer am 28. und 29.12.1996 und 1.1.1997.
Reinhardt 1885 - C. M. Bergmann 1888 - H. Landshut, später Isidor Eisenstädt um 1890
Gründungen um 1900:

Richard Beck & Co. - Rudolf Eckold - Otto Gans - Max Handwerk - Carl Kraußer - Max Polack - Christian Nelke - Bruno Schmidt u.a.
Wiesenthal, Schindel und Kallenberg war ein respektables Unternehmen, dessen besondere Spezialität Charakter- und Trachtenfiguren waren.
   
     
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