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Die Waltershäuser Stadtbefestigung

Schutz, Stolz und Wahrzeichen jeder Stadt im Mittelalter war ihre "Vestunge".  Mauern, Türme und Tore erschienen zugleich als das weithin sichtbare Symbol des Unabhängigkeitssinns ihrer Bürger. Auch um Waltershausen zog sich ein Mauerring, dessen sieben Türme sich rund um den alle überragenden Kirchturm scharten. Dieser war ja zugleich der Stadtturm, von dem herab der städtische "Hausmann" den Morgen "anblies" und Ausschau über Stadt und Feld hielt. Zu den Ringtürmen kam als achter der kleine, aber hoch gelegene Töpfersturm. Außerdem saß auf dem steilen First des Rathauses ein spitzer Dachreiter, und ein ähnlicher erhob sich vom Dach des Unteren Klaustors. Ein weiteres Türmchen stach vom First des Hospitals in die Luft, und auch die Heilig Kreuz-Kapelle bei der Kemnot hatte vermutlich einen Turmaufsatz. Mit so zahlreichen Spitzen versehen, sah das Städtchen wohl recht wehrhaft und stolz aus - freilich höher als alle stieg über dem Kirchturm der mächtige, drohende Bergfried des fürstlichen Schlosses auf.

 

Wir wollen uns die Stadtbefestigung näher ansehen und beginnen unseren Rundgang am Klaustor. In seiner jetzigen Gestalt gehört es freilich nicht dem Mittelalter an. Das zeigt schon an der Außenseite das sächsische Wappen mit der Jahreszahl 1561. Noch jünger sind die oberen Teile, die erst im 18. Jahrhundert aufgesetzt worden sind. Auch im Mittelalter war das Tor sicher zum Teil ein Fachwerkbau, von dem wir uns aber trotz zahlreicher Angaben über Ausbesserungen und Umbauten (vor allem 1502) nur ein ungenaues Bild machen können. Doch dürfte es sich von dem Torturm, den der "Grundriss" von 1709 zeigt, abgesehen von der Durchfahrt die sicher spitzbogig war, nur wenig unterschieden haben. Diese Durchfahrt wurde von außen durch ein Bloch (mittelhochdeutsch für Block) aus starken Balken abgesperrt. Das Klaustor war immer von einem Torwart bewohnt, der um 1500 auch gleichzeitig der Flurschütz war. 1390 wird das Tor unter dem Namen "nidertor" zum ersten mal erwähnt und ab 1411 wird die heutige Bezeichnung verwendet. Der Name Niedertor ging nach dem Bau des äußeren Klaustors im Jahre 1474 auf dieses über. Das neue Tor befand sich ca. 300m die Straße hinab. Warum der Name des heiligen Nikolaus mit unserm Tor verbunden wurde, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Vielleicht war am Tor ein Bild oder eine Statue des Bischofs angebracht, der im Mittelalter der Patron der Kaufleute und Schützer des Marktes war. Auch in Eisenach steht ja das Nikolaitor am Ostausgang der Stadt. Das Klaustor war das Haupttor der Befestigung, durch das der größte Verkehr ging und das nötigenfalls den ersten Ansturm der aus dem Flachland kommenden Feinde abzuhalten hatte. Deshalb war es besonders fest und besonders aufwendig gebaut worden und deshalb wieder ist es heute noch vorhanden. Neben dem Tor ist auch noch das letzte Stück der Mauer übriggeblieben, doch sieht man davon kaum etwas,  es ist zum größten Teil als Rückwand in das Nachbarhaus einbezogen worden.

 

Gehen wir aber in das enge, überbaute Gässchen nebenan, den "Wachgang" hinein, so kommen wir nach wenigen Schritten an eine Stelle, wo wir rückblickend noch das Ende der Mauer sehen können. Die Krümmung des Gässchens entspricht dem Verlauf des alten Festungsringes; es bringt uns rasch zum heutigen Schulplatz. Die Schulgasse, die hier aus der Innenstadt heraus kommt und zum Schönrasen führt, endete einst als Sackgasse an der Mauer und hieß "Enggasse". Ihr parallel geht die heutige Lutherstrasse an den Pfarrhäusern und der Kirche vorbei; früher hieß sie "Pfarrgasse", ursprünglich aber vielleicht Töpfergasse, und an ihrem nördlichen Ausgang öffnete sich an der Mauer die Neue Pforte. Diese wird als "Teppers Phortin" 1378 zum ersten Mal erwähnt, früher also als das Klaustor. Vielleicht in der Mitte des 15. Jahrhunderts muss sie neu errichtet worden sein, denn schon in der Ratsrechnung von 1494 wird sie "Neue Pforte" genannt. Die "Neue Pforte" bleibt sie von nun an immer bis ins 19. Jahrhundert. Noch auf dem Grundriss (1709) heißt sie so, obwohl sie damals schon längst baufällig war.

 

Der Pfortenturm, in dem seit 1505 ein ständiger Torwart wohnte, ist 1502, 1579 und 1604 als Gefängnis bezeugt. Die Jahnstraße, die von hier aus nach Süden biegt, heißt bis 1913 "Graben". Hier floss einst, vom Waldtor kommend, eine Abzweigung des Waldwassers in einem Befestigungsgraben vor der Mauer hin, unter einem Steg an der Neuen Pforte hinweg und oberhalb der jetzt noch "Stadtgraben" heißenden Gasse zur Hauptstra8e zurück. Wo die Stadtmauer die Bremerstrasse erreichte lag das Bremertor, das schon um 1500 eine gewölbte Durchfahrt hatte, dessen Oberbau aber noch 1709 aus Fachwerk bestand, den Abschluss des Baues bildete damals wie bei allen Türmen ein spitzes Ziegeldach. Die erste Erwähnung fällt in das Jahr 1436; 1456 wurde es wahrscheinlich erneuert. Als wichtiges Tor war es stets mit einem Torwart besetzt. Der Name hat mit der Hansestadt natürlich nichts zu tun; dagegen spricht ja schon die Lage des Tors, das übrigens ursprünglich auch stets "bremin phorte" (1436) oder "Bremerthor" heißt, so wie die Bremergasse "bremenngasse". Diese Formen legen nahe, das Wort ebenso wie 'Bremen" mit dem mittelhochdeutschen brem (Rmd, besonders Waldrand) in Verbindung zu bringen. Bremertor würde dann also ungefähr das gleiche bedeuten wie Waldtor. Erst seit 1526 steht auch "Bremerthor" in den Ratsrechnungen. Nachdem um 1700 das Waldtor entfernt worden war, wird auf das Bremertor auch der Name "Waldtor" übertragen.

 

Verfolgen wir vom Bremertor aus den weiteren Verlauf der Stadtbefestigung, so kommen wir an der Steingasse vorbei - sie war früher nur ein enger Durchlass für das Waldwasser - zum Ausgang der Beckengasse, die hier an der Mauer endete. An dieser Stelle erhob sich einst der Leppersturm. Schon im Jahre 1495 hieß er so, und schon damals diente er als Gefängnis. 1499 wurde er abgerissen und neu erbaut, aber sowohl der Name als auch seine Bestimmung als Gefängnis blieben bestehen. Ein Stück weiter da wo die Mauer sich in stumpfen Winkel nach Osten wandte, war sie in einem kleinen Halbrund bastionsartig vorgebogen. Von hier aus konnten die Außenseiten der Mauer bequem überblickt werden. Vor diesem Teil der Befestigung, vom Bremertor bis zur Burggasse, lag von 1558 bis 1840 der zweite Friedhof. Am Ausgang der steilen Burggasse stand das 1433 zuerst genannte Burgtor, das den Verkehr mit dem Schloss und Ibenhain vermittelte. Es war ein besonders festes Doppeltor. Vor dem Torturm bildeten die nach vorn knickenden Stadtmauern noch eine Art Vorburg, in die man durch ein einfaches Außentor gelangte. Auf diesem waren wohl die eisernen "Stacheln" befestigt, die 1497 ein Schmied anfertigte; und auch 1504 wurde es wieder mit eisernen Zacken bewehrt. Von "Zweien borgthorn new vnd alt" wird auch in den Ratsrechnungen von 1526 gesprochen. Im Turm war Wohnraum für einen Torwart. 1562 wurde das Tor - ähnlich wie das Klaustor - vergrößert und verstärkt und auch das herzogliche Wappen wurde dabei an ihm angebracht.

 

Vom Burgtor aus zog sich die Mauer in nordöstlicher Richtung zwischen der heute "Heiliges Kreuz" genannten Strasse und dem schmalen Durchgang zur Badegasse hin. Die Badegasse endete gleichfalls als Sackgasse. Hier trat der Mühlgraben durch eine Öffnung, die durch ein eisernes Gitter geschützt war, unter der Mauer in die Stadt ein, trieb das Rad der Bergmühle an und lief hinab zum Markt.

 

Gehen wir durch die Mühlgasse in nordöstlicher Richtung weiter, so kommen wir zur Borngasse und an die ehemalige Stelle der Bornpforte. Sie ist schon sehr früh - 1326 - bezeugt. 1502 wurde sie mit Ziegeln neu gedeckt und mit einem hölzernen Erker versehen. Der Name Bornpforte - ebenso wie Borngasse - hängt mit dem Grabenborn zusammen, der nahe vor ihr aus dem Boden quoll und auch im kältesten Winter nicht einfror. Er floss in den Befestigungsgraben, der von hier aus in Richtung Klaustor führte. Der kleine Platz am Beginn der Brühlgasse lag vor der Bornpforte, also außerhalb des Mauerrings. Die Gasse "Hinter der Mauer", in die wir nun einbiegen, innerhalb derselben, wie ja schon der Name sagt. Die hinter dem Gasthof "Gambrinus" liegenden Wirtschaftsgebäude deuten heute noch die einstige Linienführung der Stadtmauer an. Im übrigen aber ist sie in dieser schon früher wegen der Nähe der sumpfigen Brühlwiesen wenig bebauten Gegend jetzt nicht mehr mit Sicherheit zu erkennen. Bis 1896 war der Graben noch deutlich zu sehen. Hier nur durch den Wachgang der hinter der Mauer entlangführte zu erreichen (die Gerberstrasse ist erst im 19. Jahrhundert entstanden) erhob sich noch ein Mauerturm. Wie er im Mittelalter hieß, wissen wir nicht. Er könnte Richwynturm oder Heltersturm geheißen haben, welche Namen kurz vor 1500 öfters genannt werden. Jedenfalls war er um diese Zeit schon recht alt und gebrechlich, denn 1530 wurde er abgetragen und völlig neu wieder aufgebaut. Dieser neue Turm hat als "Pulverturm" bis 1808 gestanden. Am letzten Stück der Mauer, vom "Neuen Turm" bis zum Klaustor, geht heute kein Weg entlang, und wir müssen durch die Krumme Gasse zu unserem Ausgangspunkt zurückkehren.

 

Überblicken wir jetzt noch einmal unseren Rundgang, so ergibt sich folgendes. Waltershausen hatte infolge seiner besonderen Lage nur drei Tore. Üblich wären zu jener Zeit mehr gewesen. Zwei Tore ermöglichten es dem Hauptverkehr durch die Stadt zu fahren. Das Burgtor, als drittes, war die kürzeste und schnellste Verbindung zwischen dem Markt und der schützenden Burg. Dazu kam das das Bremen- und Klaustor sich ungefähr gegenüberlagen. Diese beiden Pforten erleichterten den Zugang zu den im Westen und Osten der Stadt liegenden landwirtschaftlichen Grundstücken. Ansonsten waren sie nur für den Lokalverkehr von Bedeutung. Auf der Hainseite und auf der Brühlseite ragte dann noch je ein Mauerturm empor.

 

In zeitlicher Folge erhalten wir über die Befestigung im Mittelalter folgendes Bild: Ihre Entstehung fällt vor das Jahr 1326, also vermutlich noch ins 13. Jahrhundert. In den folgenden Jahrhunderten ließen es sich die Bürger angelegen sein, das Mauerwerk durch jeweilige Erneuerungsarbeiten und Verbesserungen instand zu halten. In zwei Urkunden (1409 und 1410) erkannte der Landgraf Friedrich IV. die Verdienste der Bürgerschaft um die "bevestenunge" ausdrücklich an. 1456 folgte die Erneuerung des Bremertores, 1474 wurde dann das äußere Klaustor errichtet. Um die Wende des 15. und 16. Jahrhunderts wurde fast alljährlich an Toren und Türmen gebaut. Die Schindelbedeckung wurde überall durch Ziegeln ersetzt, neue Mauerstücke wurden eingezogen.

 

Im Klaustor, Burgtor und Bremertor waren wohl von Anfang an Torwächter stationiert. Von 1505 an wurden auch Neue Pforte und Bornpforte besetzt. Die Pflichten der Torwarte erfahren wir aus dem Waltershäuser "Erbbuch" von 1512: "Sie müssen auf und zuschließen, ein gutes und fleißiges Aufsehen haben, ob sie etwas Unredliches vernehmen", solches dem Rate melden, den Wächtern in der Stadt, wenn die umhergehen und sich (allstündlich) hören lassen, antworten und getreu und zuverlässig sein.". Schon im Mittelalter wuchs die Stadt über den engen Befestigungsring hinaus und so ergab sich die Notwendigkeit auch die Vorstädte zu schützen. Doch wurden keine neuen Mauern gebaut, sondern man begnügte sich mit drei Straßensperren. Am unteren Ende der Stadt, beim heutigen Kaffee Jungheinrich, wurde 1474 das Niedertor, das auch Unteres oder Äußeres Klaustor genannt wurde, errichtet. Es war ein einfaches Torhaus mit einem Dachreiter auf dem First. Im Oberstock über der Durchfahrt wohnte von Anfang an ein Torwart. Rechts und links des Tores deckten kurze, gerade Mauerstücke die letzten Häuser der Strasse gegen das Feld ab. Am entgegengesetzten Ende der Stadt, da wo Burgberg und Ziegenberg eng zusammenrücken, wurde das Waidtor erbaut, das jeden Zugang von der Waldseite sperren konnte. Das Jahr seiner Entstehung ist unbekannt, 1460 wird es zum erstenmal genannt. 1500 wurde es erneuert und 1505 erhielt es einen ständigen Torwart. Über das Aussehen des Tores wissen wir nichts, schon um 1700 verschwand es. Auf der Innenseite des Waldtores, am kleinen Platz des "Plans" mündete die "Töpferberggasse". Sie war das Endstück der alten Eisenacher Strasse, die von der Lauchafurt bei der Siebenlindenmühle über den "Hözel" herankam und hier in einer Kurve herunterbog. Von der Stadt aus war die Strasse nicht zu übersehen und so ist es verständlich wenn zur Sicherung nach dieser Seite hin schon früh auf dem Töpfersberg eine Warte errichtet wurde. Vermutlich ist der Töpfersturm schon im frühen 15. Jahrhundert, wenn nicht noch eher, erbaut worden. Auf das Tor neben ihm, von dem heute noch der Ansatz zu sehen ist, ging der Name der alten, unteren Töpferspforte (siehe Neue Pforte) über. Eine Verbindung mit der Stadtmauer bestand auch beim Töpferstor nicht. 1495 wurde es gründlich erneuert und mit Ziegeln gedeckt. Es muss also damals schon mindestens 50 Jahre gestanden haben. Seit 1512 erfahren wir von einem ständigen Torwart. So oft das Töpferstor in den Rechnungen erwähnt wird niemals kommt merkwürdiger Weise der Name "Töpfersturm" vor. Für ihn gebrauchte man damals andere Namen: 1494 heißt er "kulichter" oder "schiebelichter" Turm, was beides 'runder Turm' bedeutet. Um 1500 nennt man ihn "thorm hinter Heintz Koln". Heute ist vom mittelalterlichen Torturm nur noch die Feldseite des Erdgeschosses vorhanden. Die Stadtseite war ursprünglich nur ein Fachwerkbau.

 

Die gegen das Feld offenen Rückseiten der langen Hofreihen in den Vorstädten waren durch hohe Zäune und dichte Hecken geschützt. Reitel (kurze dicke Holzstangen) wurden im Boden befestigt, ''Zaunstecken" und "Zaungerten" wurden zwischen ihnen verflochten und zum Abschluss kam Dornreisig oben darauf. Mit einem solchen Zaun der einen recht guten Schutz gab gegen Mensch und Tier, war auch der Stadtgraben zwischen dem heutigen Schulplatz und der Einmündung in die Hauptstraße gegen das Feld abgegrenzt und auch die vor der Stadt liegenden Einzelgehöfte waren, wie wir es von der Abdeckerei sicher wissen, so geschützt.

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